Hubert Morawetz

Aktuelles:

Sir Heinz & me
Sir Heinz & me

 

27.04.2019

 

12 Stunden-Lauf in Langenzersdorf

 

Spontan, um nicht zu sagen in Panik um Punkte und Kilometer für den diesjährigen Ultralaufcup (der im Sport-Land Österreich den Stellenwert eines Besens im Staubsauger-Fachhandels hat) und nach der Absage des 100km Laufs in Wien, ließ ich mich nur zwei Wochen nach dem Linz Marathon auf die Startliste setzen. Wohlwissend dass ein 12 Stunden-Lauf nicht gerade meine Parade-Disziplin ist und die Formkurve nach dem ersten Saisondrittel eher zum Landeanflug denn zu Höhenflügen tendiert. Dass der Veranstaltungsort „Seeschlacht Langenzersdorf“ genannt wird brachte auch wenig positive Energie zum schwingen auch wenn sich das Veranstalter-Team um Florian Holecek und Georg Franschitz redlich bemüht haben alles zu tun um den Läufern einen unvergesslichen Tag zu bescheren - Danke dafür!

 

Erst mit dem Eintreffen der Ultralauffamilie und mit den ersten Sonnenstrahlen kam wieder die alte geliebte Volksfest-Atmosphäre auf, die ich schon ein wenig vermisst hatte. Wohlwissend, dass es für Außenstehende völlig sinnbefreit erscheinen mag, 12 Stunden im Kreis zu laufen, genügt ein Blick in die Augen der Athleten um zu wissen warum wir hier sind und der gegenseitige Respekt, der im Sportland Österreich seinesgleichen sucht ist fast greifbar…

 

Drei Ziele hatte ich mir im Vorfeld des Rennens gesteckt. Über 100 km sollten es auf jeden Fall werden. Meine persönliche Bestmarke aus dem Jahre 2014 mit 112 km sollte sich bei normalem Rennverlauf auch ausgehen und wenn ich einen außergewöhnlichen Tag erwische wäre dann auch noch der österreichische Rekord in der Altersklasse 50 mit 130 km zu holen… aber bis dahin ist es noch ein langer Weg.

 

Um 8:00h fällt der Startschuss und die Creme de la Creme der Ultralangstrecke begibt sich in die erste Runde um den Badesee. Seite an Seite laufen da Persönlichkeiten wie der Extremsportler und Weltrekordinhaber Andreas Michalitz, Harry Tschernitz ein eingefleischter Veganer, die Grande Dame Ulli Striednig, das Enfant Terrible Andy Kapui, Günter Dieplinger mit der sozialen Ader und für den das Reinheitsgebot gilt, Ludwig Wolf der Herzinfarktpatient, Walter Jaros Bruder im Geiste, Mike Neundlinger der Wettkämpfer aus Leidenschaft und natürlich Sir Heinz Jürgen Ressar der royale Würde und sein Stürmchen mitbringt. Ob Stürmchen für den böigen Wind verantwortlich ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Mit Marlene (Stürmchen) Sturm hat meine Berna jedenfalls eine kongeniale Partnerin in Sachen gute Laune an der Verpflegstation gefunden. Es macht Spaß, den beiden aus den Augenwinkeln beim Tanz-Studium zuzusehen und gibt jedes Mal einen extra Boost an Energie mit auf die Runde.

 

Km 15. Etwas stört mich an meinem Schuh. Seitlich ist er ein wenig aufgerissen und gibt dem Fuß ein wenig zu viel Platz. Ich habe das Gefühl ich stehe am Sohlenrand. Schuhwechsel – jetzt läuft es besser.

 

Km 35. Eine Blase macht sich auf der Unterseite der rechten großen Zehe bemerkbar und droht auf zu reißen. Schuh aus – Socken aus – Blase aufgestochen – Tape drauf – Socken und Schuh drauf und weiter geht’s. Der Rhythmus ist gut. Dass das Tape jetzt irgendwie am nächsten Zeh klebt und diese langsam aber sicher wund reibt muss ich dann irgendwie wegignoriert haben. Es läuft…

 

Km 50. Wind – die Frisur hält

 

Km 60. Das Laufen auf ebenem Asphalt, bei dem jeder Schritt wie der Andere ist, bewirkt dass sich eine Bandscheibe im Lendenwirbelbereich zu Wort meldet und atemberaubende Blitze ins Geläuf schickt. Gehpausen, Gedanken ans Aufhören mit diesem Wettkampf – mit den Wettkämpfen – kurze Pause - Massage von Berna – Kreuz aushängen – ein Aspirin vom Stürmchen und weiter geht’s – ich versuche noch eine Runde, drei Runden, acht Runden – immer wieder kurze Gehpausen – Dehnungsübungen – der Zuspruch von Berna rücken meine Gedanken wieder in die Spur und plötzlich läuft es wieder. Verschwunden sind die Gedanken ans Aufhören.

 

100 km sind geschafft. Das Minimalziel ist erreicht und es bleibt noch sehr viel Zeit für mehr. 12 Stunden ist eine wirklich lange Zeit… Ich bin im Tunnel und freue mich über jede gute Runde. Mein Laufschritt federt noch immer - so sagt man vom Wegesrand her. Lächeln…

 

Gehpausen werden wieder häufiger. Mein herausragendster Körperteil, der Hallux Valgus macht sich schmerzhaft bemerkbar – so weit so gut – weiter im Kreis…

 

Andi Michalitz liegt jetzt in Führung und diese wird er an diesem Tag auch nicht mehr abgeben. Sir Heinz sitzt kreidebleich in der Box und bangt um sein großes Tagesziel – die Qualifikation für die 24 Stunden WM in Frankreich. Stürmchen motiviert mit vollem Einsatz. Wenig später läuft er wieder – für sie…  

 

Mike Neundlinger und Günter Dieplinger die sich die Distanz sehr gut eingeteilt haben kleben mir an den Fersen und ich habe alle Füße voll zu tun um mir Luft zu verschaffen.

 

Meine persönliche Bestleistung habe ich schließlich und endlich um fast 14 km verbessert. Den österreichischen Rekord in der AK50 hat sich Andi Michalitz mit einem grandiosen Lauf über 130,33 km gesichert. Respekt und herzliche Gratulation!!

 

Mit dem 2. Gesamtrang bin ich schlussendlich mehr als zufrieden – zumal meine zwischenzeitlichen Probleme eher ein ganz anderes Ergebnis erwarten ließen.

 

Ich gratuliere allen Teilnehmern zu ihren tollen Leistungen – allen voran Ulli, Andi, Mike und Günter für das erbrachte WM Limit. Sir Heinz der ohne seinen Atemwegsinfekt die zwischenzeitliche Führung nicht mehr abgegeben hätte. Eine spezielle Gratulation an Ludwig Wolf den Herzinfarktpatienten, der als Therapie mit einem Lächeln auf den Lippen 109 km gelaufen ist!!!

 

Herzliche Gratulation an meinen Vereinskollegen und Freund Harry Jantschge der beim 6h-Lauf hochverdient seinen ersten Sieg einfahren konnte!! – Respekt!!

 

Danke an das Team der Ultra-Turtles für die vielen Anfeuerungszurufe und für die Tollen Fotos. An Christian Vollenhofer, der bei jeder Überrundung eine Anfeuerung parat hatte und an Andi Berninger der mit Fortlauf der Zeit immer besser in „Fahrt“ kam.

Ein spezieller Dank gebührt natürlich meiner Berna. Mit dir an der Seite werden die schönen Momente zum persönlichen Feiertag und Schwierigkeiten zum Klacks. Danke!


03.03.2019

Delta 4-Stundenlauf in Marchtrenk

Ein sehr gelungenes Lauffest hat das sympathische Team  rund um Siegfried Buchgeher da wieder auf die Beine gestellt. Ein Vorfrühlingssonntag wie er nur windstill noch besser sein könnte, machte Laune auf ein geselliges Kilometerfressen mit Freunden.

Punkt 12 Uhr setzte sich der bunte Haufen laufhungriger Trainingsfetischisten auf der legendären 2,925 km langen Delta-Runde in Bewegung.

Ich hatte Anfangs Probleme dem vordergründigen "Spaßlauf" ein wenig Wettkampfernst auf zu zwingen. Dick Demeter hat mir mit seinem gleichmäßig hohen Tempo geholfen zumindest für eineinhalb Stunden konzentriert zu laufen. Mit einem Schnitt von 4:08 min/km wurde Runde um Runde gedreht.

Die Crosslauf Landesmeisterschaft Tags zuvor hat sich dann langsam aber sicher in den Beinen bemerkbar gemacht. Um mein Trainingsziel, den Marathon in knapp 3 Stunden nicht zu gefährden, drosselte ich mein Tempo um einige Sekunden pro km.

Irgendwie kam ich dann aber aus dem Rhythmus und der Spaßlauf trat wieder an vorderste Stelle. Ein Tratscherl dort - ein Tratscherl da...

Die 42, 2 km waren nach 3:05:56 h erledigt und den Rest der Zeit nutzte ich für einen lockeren Dauerlauf. Gutes Training - wenn auch nicht ganz gelungen...

Unterm Strich standen nach 4:01:10 h, 18 Runden (52,65 km), der 4. Gesamtrang und der Sieg in der AK Ü50 zu Buche.

Respekt vor Karl Aumayr, der in den 4 Stunden 22 Runden (64,35 km) abspulte!!

 

Mein Ziel für die nächste Zeit: wieder ein Wettkämpfer werden...